Begabtenförderung


LEAP: Individuelle Förderung begabter und vielseitig interessierter Schülerinnen und Schüler als Leitlinie und Ziel

Individuelle Förderung meint, jede bzw. jeden nach ihren bzw. seinen Bedürfnissen zu fördern. Oft denkt man dabei lediglich an Konzepte zur Unterstützung der leistungsschwächeren Schülerinnen und Schüler; sog.  Hochleisterinnen und Hochleister geraten aus dem Blickfeld. Begabte Jugendliche zu fördern, bedeutet folglich, Bildungsgerechtigkeit herzustellen.

Die individuelle Förderung der besonders leistungsstarken und vielseitig interessierten Schülerinnen und Schüler erfolgt am SGP durch Differenzierungsangebote im (Wahl-)Unterricht der jeweiligen Lehrkraft sowie durch einen für die Jahrgangsstufen 9 – 12 eingerichteten Enrichmentkurs mit dem Titel „LEAP“. Der Titel ist ein aus den Begriffen „Leistung“, „Engagement“, „Anregung“ und „Perspektive“ gebildetes Akronym. Ziel dieses Kurses ist es, die sehr guten schulischen Leistungen und das herausragende Engagement der Schülerinnen und Schülern zu honorieren und den Jugendlichen Anregung und Perspektive für ihren Lebensweg anzubieten.

Zu den LEAP-Kurstreffen, die in und außerhalb der Schule stattfinden, werden Referentinnen und Referenten für einen Vortrag eingeladen bzw. besucht: Gemeinsam diskutiert man nach dem Vortrag über verschiedene Themen und erhält Einblick in oft sehr individuelle Lebenswege. Bisher wurden Personen aus dem Bereich der Mathematik, der Physik, der Informatik, der Medizin, der Politikwissenschaft, des Reisejournalismus und der Fotografie gehört; darunter waren vereinzelt auch Eltern von Schülerinnen und Schülern des SGP.

Darüber hinaus werden die LEAP-Teilnehmerinnen und –Teilnehmer regelmäßig auf unterschiedliche Angebote der Begabtenförderung, etwa auf Wettbewerbe, Forschungsexpeditionen, Sommerschulen und Möglichkeiten der finanziellen und ideellen Förderung während des Studiums, hingewiesen. Entscheidet sich eine Schülerin bzw. ein Schüler für eines dieser Angebote, wird sie bzw. er bei sämtlichen Schritten der Bewerbung bis hin zur Aufnahme in das jeweilige Programm bzw. der Abgabe des Wettbewerbsbeitrags unterstützt.

Eine leistungsorientierte Forderung und Förderung aller Schülerinnen und Schüler ist eine wesentliche Voraussetzung sowohl für die Entfaltung jedes Einzelnen als auch für die Weiterentwicklung der Gesellschaft. Der Enrichmentkurs LEAP trägt dieser Erkenntnis Rechnung, indem er die kognitive Neugier, die Anstrengungsbereitschaft und Leistungsmotivation der besonders begabten und vielseitig interessierten Schülerinnen und Schüler des SGP positiv wahrnimmt, herausfordert und begleitet.

Annette Wörmann

Europa – we are one

Wofür brenne ich? Wo steht Europa? Diese und viele weitere Fragen durften wir uns an einem Oktoberwochenende bei einer Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing stellen. Frau Wörmann hatte uns auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht.
Viele interessante Referent/innen wie der Feminist Vincent Immanuel Herr, der sich dafür einsetzt, dass jeder EU-Bürger zu seinem 18. Geburtstag ein Interrail-Ticket geschenkt bekommt, um die europäische Identität zu stärken, haben von ihren Projekten und ihrer Sicht auf Europa erzählt. Ihre und die Gedanken anderer haben uns bewegt, und in Diskussionsrunden konnten wir uns mit anderen Jugendlichen austauschen und neue Freundschaften schließen.

Text: Luisa Dietsch, Ronja Wimmer, Q11
Foto: Ronja Wimmer, Q11

1 von 4000 in Deutschland zugelassenen Patentanwälten am SGP

Im Rahmen der monatlichen LEAP-Vorträge, die von allen interessierten Schülern der Jahrgangsstufen 9 bis 12 besucht werden können, stellte Thomas Liebl sich und seine Arbeit als Patentanwalt vor.
Anhand von vielfältigem Anschauungsmaterial – Gesetzesbüchern, einer Patentanwaltsrobe, einem Schriftstück zur Patentanmeldung, bereits patentierten Gegenständen wie einer Hüftabspreiz-Orthese oder einem Rühraufsatz für Bohrmaschinen – wurde schnell klar, dass ein Patentanwalt als Dolmetscher zwischen Erfinder und Patentamt, zwischen Technik und Recht fungiert. An dieser Schnittstelle leisten Patentanwälte folglich einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Innovationsdynamik in Deutschland und Europa: Sie wissen, was technisch und rechtlich möglich ist.
Was macht ein Patentanwalt? Ein Patentanwalt berät und vertritt Mandanten auf dem Gebiet einerseits des Patent-, des Marken- und Designrechts, andererseits auf dem Gebiet des Sortenschutz- und Halbleiterschutzrechts. Der Schwerpunkt liegt dabei in der Vertretung in Verfahren vor den Patent- und Markenämtern und den zuständigen Gerichten.
Wie wird man Patentanwalt? Ein abgeschlossenes naturwissenschaftliches oder technisches Hochschulstudium, etwa in den Fächern Elektrotechnik, Maschinenbau, Physik, Chemie oder Biologie, ist erforderlich. Darauf folgt eine mehrjährige juristische Zusatzausbildung in Theorie und Praxis.
Warum gibt es Patentanwälte? Schon bald nach der Gründung des Kaiserlichen Patentamts im Mai 1877 stellte sich heraus, dass für die komplexen technischen Sachverhalte im Patentwesen besonders qualifizierte Fachleute benötigt werden, die neben den juristischen Fragen auch in der Lage sind, die technischen Zusammenhänge der Erfindungen zu verstehen.
Thomas Liebl ist Deutscher und Europäischer Patentanwalt sowie Europäischer Marken- und Designanwalt. Er ist seit 2008 Partner in der Kanzlei Neubauer Liebl Bierschneider.

Text und Fotos: Annette Wörmann

Ein Journalist aus Leidenschaft – Werkstattgespräch mit Klaus Ott

LEAP-Schüler und weitere interessierte Jugendliche stellten eine gute Stunde lang Fragen, Klaus Ott antwortete: Wem kann man noch glauben? Wie lassen sich Fake News von harten Informationen unterscheiden? Wer prüft, was richtig ist? Wie arbeiten Redaktionen bei Medien wie der Süddeutschen Zeitung? Was beinhaltet der sog. Pressekodex? Welche Aufgaben hat der Presserat? Braucht es Mut, in Deutschland Journalist zu sein?
Klaus Ott – SZ-Redakteur – gab Einblick in die Arbeitsweise von Journalisten, die ihre Aufgaben und ihren Beruf ernst nehmen.

Text und Foto: Annette Wörmann

Herbstuniversität: Vom Genotyp zum Phänotyp

Teil der Veranstaltungen der „Herbstuniversität“, die jährlich im Rahmen des Programms „Schülerinnen forschen“ an der TUM stattfinden, war heuer das Untersuchen der eigenen Gene zur Wahrnehmung bitterer Geschmacksstoffe.

In diesem Kurs wurde zuerst aus Zellen der eigenen Mundschleimhaut DNA extrahiert, die dann mithilfe der PCR-Methode in einem Thermocycler vervielfältigt wurde. Diesen vervielfältigten DNA-Fragmenten konnte jede Teilnehmerin daraufhin ein spezielles Enzym (Restriktionsenzym) mit einer Pipette hinzufügen. Dieses zerteilt das DNA-Fragment, sobald es eine bestimmte Reihenfolge von Basen vorweist. Diese bestimmte Reihenfolge unterscheidet einen „Schmecker“, der Bitterstoffe wahrnimmt, von einem „Nicht-Schmecker“. Durch die Gelelektrophorese konnte man anschließend feststellen, ob man selbst ein „Schmecker“ oder „Nicht-Schmecker“ ist.

Um auch die zuvor im Labor durchgeführten Schritte besser verstehen zu können, haben alle Teilnehmerinnen ein Erklärvideo zur PCR-Methode und zur Gelelektrophorese gedreht.

Nach diesem spannenden Tag an der TUM kann ich das Programm der „Herbstuniversität“, auf das ich durch LEAP aufmerksam gemacht wurde, auf jeden Fall für interessierte Schülerinnen weiterempfehlen. Nicht nur im Bereich Biologie/Chemie gibt es spannende Themen. Auch im Bereich Mathematik, Physik, Sport etc. werden zahlreiche Forschungsthemen für Schülerinnen angeboten.

Text und Foto: Lisa Fleischhauer, 10B

Text und Foto: Lisa Fleischhauer, 10B

Ein frischer Blick auf Afrika

„Afrika – das sind 54 komplett verschiedene Länder“, rief Dr. Kundri Böhmer-Bauer der jungen Hörerschaft zu.
Die externe Expertin, die im Rahmen der Begabtenförderung für einen Vortrag ans SGP gekommen war, griff vorhandenes Wissen auf und beleuchtete unter anderem folgende Aspekte: die moderne Vielfalt Afrikas, seine Geografie, seine Gestalter von Geschichte und Geschichten, die Rolle Deutschlands in Afrika, Flucht und Migration sowie Entwicklungshilfe. Das mitgebrachte Bildmaterial war ebenso beeindruckend wie die Schilderung persönlicher Reiseerlebnisse. Und so gelang ein frischer Blick auf Afrika.
Zur Person:
Dr. Kundri Böhmer-Bauer studierte Ethnologie, Psychologie sowie Theologie und promovierte über afrikanische Königreiche an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach vier Jahren in der Afrikaabteilung des Münchner Völkerkundemuseums, heute Museum Fünf Kontinente, war sie beruflich in zahlreichen Ländern Afrikas, des Nahen und Mittleren Ostens sowie Südostasiens unterwegs. Seit 2003 arbeitet sie als interkulturelle Trainerin mit Fokus auf Sicherheitsseminaren für Krisenregionen, die für Mitarbeiter international agierender Unternehmen konzipiert sind.

Text und Foto: Annette Wörmann

Schülerakademie in Litauen

Litauen ist ein kleiner baltischer Staat mit nicht einmal 3 Millionen Einwohnern. Im Westen grenzt Litauen an die Ostsee, dort befindet sich die Kurische Nehrung. Und dort, auf ebendieser Nehrung, befindet sich ein beliebter Urlaubsort mit ca. 1.500 Einwohnern, Nida. Hier findet Jahr für Jahr die Summer Session der Nationalen Schülerakademie Litauens statt. Jedes Jahr haben dabei 20 deutsche Schüler die Möglichkeit, an der Economics Section der Akademie teilzunehmen. Als ich mich im Februar für die Deutsche Schülerakademie bewerben durfte, weckten die Programme im Ausland sofort mein Interesse, vor allem eben das litauische. Das Glück, das ich hatte, letztendlich teilnehmen zu dürfen, konnte ich mir in diesem Moment noch gar nicht vorstellen.
Ich habe so viele unglaubliche Menschen treffen dürfen. Die deutschen Schüler, eine bunt gemischte Truppe aus ganz Deutschland, waren im Alter von 16 bis 21 Jahren und kamen vom ersten Moment an perfekt miteinander aus. Und dann waren da noch die litauischen Schüler in der Economics Section, also während der vormittäglichen Lectures zu sechst in der Unterzahl, am Nachmittag bei den persönlichkeitsbildenden Aktivitäten, in meinem Fall Chor, klar in der Überzahl. Alle waren unglaublich offen und haben uns Deutsche immer willkommen geheißen. Abends saßen wir zusammen am Strand oder am Steg, haben gesungen, getanzt und Spiele gespielt. Das Gemeinschaftsgefühl war unbeschreiblich.
Natürlich gab es nicht an jedem der 11 Tage nur Lectures, an zwei Tagen haben wir Exkursionen gemacht zu verschiedensten Unternehmen, zum Beispiel Dancerbus, einem Startup, oder dem Hafen von Klaipėda. Auch ein Besuch im Kletterwald und eine ganztägige Wanderung durch die besondere Natur der Nehrung durften nicht fehlen. Die Dünen, die Wälder, das Meer, all das beeindruckte uns genauso sehr wie Thomas Mann, an dessen Sommerhaus wir vorbeiwanderten und den Italienblick bewunderten.
Auch an Gruppenarbeiten durfte es nicht fehlen, die durch die Ideen der motivierten Teilnehmer durchaus inspirierend sein konnten. Dabei hatten die Ergebnisse durchaus Relevanz, so sollten wir den besuchten Unternehmen Feedback geben und Lösungen für politische Probleme der Gemeinde finden. Meine Gruppe arbeitete an der Frage, wie man den Sporttourismus auf der Nehrung ganzjährig erhöhen könnte; am Ende präsentierten wir die Ergebnisse sogar vor dem Bürgermeister.
Die letzte Nacht wurde dann durchgemacht, erst gab die Music Section zusammen mit dem Chor ein Konzert, dann wurden am Strand die Sterne beobachtet, bis wir schließlich von der Düne aus, mit Blick auf Nida, den Sonnenaufgang sahen. Dementsprechend unwirklich fühlte sich der Tag der Abreise an.

Die Schülerakademie war so eine außergewöhnliche Erfahrung, dass alles, was ich zu den interessanten Vortragenden aus der internationalen Wirtschaft, zu den wunderbaren Organisatoren und auch zu den anderen Teilnehmern sagen kann, AČIŪ (DANKE) ist.

Text und Fotos: Charlotte Schnell, Q12

Begabte Schüler…

gibt es am SGP viele. Anfang Juli präsentierten die miniLEAP-Kinder  ihre im zweiten Halbjahr mit Unterstützung einer Fachlehrkraft entstandenen Arbeiten. Sie beschäftigten sich unter anderem mit folgenden selbst gewählten Themen: mit dem Aufbau von tierischen und pflanzlichen Zellen, mit Vancouver Island, mit der Londoner Underground, mit Beethoven, mit Biodiversität auf heimischen Blühwiesen, mit Steilküsten, mit altägyptischen Göttern, mit dem Orakel von Delphi, mit Religiosität heute, mit der Chaostheorie oder mit der Antarktis im Klimawandel.

„miniLEAP“ ist die Bezeichnung für das Begabtenförderprogramm des SGP für vielseitig interessierte Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen fünf bis acht.

Fotos und Text: Annette Wörmann

Willkommen in einer Welt jenseits von RICHTIG oder FALSCH – Wertschätzende Kommunikation (Marshall B. Rosenberg)

Was ist Kommunikation? Was ist mein Anteil an Kommunikation? Welche Haltung braucht Wertschätzende Kommunikation nach Rosenberg? Welche Schritte braucht Wertschätzende Kommunikation? – Diese und weitere Aspekte wurden Anfang Juli mit Marianne Voit-Lipowsky, Supervisorin, Coach und Trainerin für Wertschätzende Kommunikation, im LEAP-Kreis besprochen und eingeübt.

Text und Foto: Annette Wörmann

Projekt „Unitag“ im Sommersemester 2019

Jura, Physik, Theaterwissenschaft und Biologie – in diese Fachgebiete durfte ich im Rahmen des Unitags der Ludwig-Maximilians-Universität München bereits hineinschnuppern.

Ich besuche derzeit die elfte Klasse und verbringe seit den Osterferien jeden Freitag an der Uni statt in der Schule, um einen Einblick in die verschiedenen Fakultäten der LMU und somit eine bessere Vorstellung davon zu bekommen, was ich später studieren möchte.

Wir sind eine bunt gemischte Gruppe von dreißig Schülerinnen und Schülern aus dem Großraum München, die jede Woche von verschieden Professoren in eine andere Fachrichtung eingeführt wird. Dabei werden uns aber nicht nur Vorträge gehalten, sondern wir dürfen uns beispielsweise durch Praktika im Bereich der Naturwissenschaften auch selbst etwas erarbeiten oder erfahren im Gespräch mit den Studenten aus erster Hand, wie ihr Studium abläuft und welche Erfahrungen sie damit gemacht haben.

Da ich mich eher für Sprachen und Geisteswissenschaften interessiere, freue ich mich besonders auf die nächsten Wochen des Sommersemesters, wenn wir uns zum Beispiel mit Psychologie, Anglistik oder Wirtschaftswissenschaften beschäftigen und bin schon gespannt, ob ich dabei vielleicht einen interessanten Studiengang für mich entdecken kann. Aber auch bis jetzt hat es Spaß gemacht, sich mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern auszutauschen und vor allem einen Einblick in Fachgebiete zu erlangen, über die ich bis jetzt noch nicht so viel wusste.

Text: Wilma Firschke

Foto: privat

Was könnt ihr aus meinem Vortrag mitnehmen? – Kirchenhistoriker am SGP

„Was könnt ihr aus meinem Vortrag mitnehmen? Vielleicht das: Verfügt über eine hervorragende fachliche Expertise, seid offen für neue Wege und arbeitet interdisziplinär“ – so schloss PD Dr. Ciprian Burlacioiu, Vater einer Schülerin der zehnten Jahrgangsstufe des Schyren-Gymnasiums, seine Ausführungen vor dem Begabtenkreis.
Der Referent gab Einblick in seine Biografie – er ist Rumäne und orthodoxer Theologe –  und, damit verbunden,  in seine Arbeit als Kirchenhistoriker, die von einem globalen, nicht auf das Abendland beschränkten Zugang zum Christentum motiviert ist. So ist Gegenstand seiner Forschung beispielsweise die Genese einer missionsunabhängigen schwarzen Kirche, der African Orthodox Church, im transkontinentalen Dreieck USA – Südafrika – Ostafrika in den 1920er Jahren. Eine erstaunliche Feststellung: Die transkontinentalen Kontakte wurden dabei zunächst durch das Medium der Zeitschriften hergestellt. Und: Insbesondere mit Blick auf heutige Globalisierungsdiskussionen, so Dr. Ciprian, sei diese ’schwarze‘ transatlantische Kirche als eine besondere Variante des christlichen Internationalismus im frühen 20. Jh.  auch in globalisierungshistorischer Perspektive interessant.
Zur Person: Ciprian Burlacioiu arbeitet als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Kirchengeschichte I (Ältere und Weltweite Kirchengeschichte) der Evangelisch-theologischen Fakultät der LMU München.

Text und Foto: Annette Wörmann

„Denkt nie daran aufzugeben!“ – Extremsportler Jonas Deichmann zu Gast am SGP

Der Münchner Abenteurer Jonas Deichmann startete am 19. August 2018 in Prodhoe Bay im nördlichen Alaska zu einem Weltrekordversuch. Das Ziel: Ushuaia an der Südspitze Südamerikas in weniger als 100 Tagen per Fahrrad und ohne Begleitfahrzeug zu erreichen. Der bisherige Weltrekord für die Panamericana per Fahrrad und ohne Unterstützung lag bei 125 Tagen. Am 24. November 2018 kam Deichmann nach 97 Tagen, 21 Stunden und 10 Minuten in Ushuaia  auf Feuerland an. Er hatte 23.112 km und 195.800 Höhenmeter zurückgelegt, 14 Länder, fünf Zeitzonen und alle Klimazonen durchquert.
„Ich erlebte die Kälte und tagelangen Regen in Alaska und Kanada, die ewigen Gegenwinde in der Prärie, über 40° Grad Hitze in den Tropen und den Wüstengürteln in Peru, den Sauerstoffmangel auf 4800 Meter Höhe in den Anden und Stürme bis Windstärke 8 in Patagonien“, so Deichmann. Sein Tipp an die junge Hörerschaft: „Konzentriert euch nur auf Dinge, die ihr beeinflussen könnt, seid diszipliniert und denkt nie daran aufzugeben!“

Text: Annette Wörmann
Foto: Jonas Deichmann

Von Gott und Physik

„Die Physik ist die Kerndisziplin aller Naturwissenschaften, und Religion ist die Beziehung des Menschen zum Transzendenten“, so begann Michael Grün, Physiker, seinen Vortrag vor dem Begabtenkreis.
In der klassischen Physik ab dem 16. Jahrhundert habe Gott keinen Platz mehr bei der Erforschung der Natur gehabt. Mit der Relativitätstheorie von Albert Einstein, dem Beginn der Quantenphysik von Max Planck und der Urknalltheorie des Theologen und Physikers Georges Lemaître im Jahr 1931 habe Gott wieder Beachtung in der Physik erlangt.
Im Einzelnen erklärte der Gast, Bruder des bekannten Benediktinerpaters Anselm Grün:
Ein Umdenken fand bereits im Rahmen der Relativitätstheorien statt. Die klassische Physik hatte einen anderen Zeitbegriff als die moderne. Sie behauptete, dass die Zeit von sich aus fließt – gleichförmig, ohne Rücksicht auf äußere Dinge. Die moderne Relativitätstheorie lehrt genau das Gegenteil – nämlich, dass die Zeit keine konstante Größe ist. Diese Relativität der Zeit hat Konsequenzen für ein mögliches Gottesverständnis: Wenn Gott ein reines Geistwesen ist – nicht gebunden an Materie –, wird für ihn die Zeit ganz anders verlaufen als für uns: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind für ihn eins. Deshalb ist für Gott ein Vorherwissen möglich, ohne die Entscheidungsfreiheit des Menschen zu beeinflussen.
Zur Quantenphysik, die den Zusammenhang allen Seins beschreibt, zitierte Grün den Quantenphysiker Hans-Peter Dürr: „Der individuelle Mensch ist mit dem ganzen Kosmos verbunden.“ Das bedeutet: Menschen können sich im Kosmos nicht als isolierte Wesen verstehen, denn sie haben immer schon teil an der gesamten Materie, an der ganzen Welt. Was an einem Ort geschieht, hat Auswirkungen auf die ganze übrige Welt. „Diese Vorstellungen teilten immer schon Religionen. So kann auch mein Gebet, durch das ich mich selbst ändere – physikalisch betrachtet, indem sich meine Wellenfunktion ändert –, auf andere Menschen wirken“, machte Grün den Schülern eindrücklich deutlich.
Am Ende des Vortrags stand fest:

Die moderne Physik hat die Jahrhunderte währende Gegnerschaft zwischen Religion und Physik beseitigt. Sie ist überzeugt von der Existenz von Transzendentem. Sie lehrt Demut, lässt erahnen oder auch zur Gewissheit werden, dass hinter der Welt etwas ganz Großartiges stecken muss, das die meisten Gott nennen. Werner Heisenberg, einer der genialsten Physiker des 20. Jahrhunderts, formulierte sehr anschaulich: „Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaften macht atheistisch, doch auf dem Boden des Bechers erscheint dann Gott.“
Text und Foto: Annette Wörmann

Wie innerer Zustand und Erfahrung Entscheidungen beeinflussen

Warum schmeckt Essen besser, wenn wir hungrig sind? Und wieso ändern sich Geruchsempfinden und Appetit im Alter? Solche Fragen motivieren die Forschung von Ilona Grunwald Kadow, Professorin für Neuronale Kontrolle des Metabolismus an der TU München. Sie möchte wissen, wie das Gehirn Informationen aufnimmt, verarbeitet und damit unser Verhalten, unsere Entscheidungen und unsere Erinnerungen kontrolliert. Denn hinter einer vermeintlich bewussten oder objektiven Entscheidung stehen komplexe körperliche Vorgänge: Das Gehirn tauscht sich über Abermilliarden Nervenzellen und –verschaltungen blitzschnell mit den inneren Organen des Körpers aus, um alle relevanten Informationen von außen und innen abwägen zu können.
Über den Zusammenhang von Entscheidungen und Vorlieben mit inneren Befindlichkeiten, Stoffwechselzuständen und Erfahrungswissen sprach die Expertin mit den Schülern des Begabtenkreises.
Ihr Fazit:

 –  Körperliche Zustände und Emotionen sind ausschlaggebend, wie unsere Sinneszellen reagieren.
 – Je nach Zustand und Erfahrung nutzt das Gehirn unterschiedliche Nervenbahnen, um Information zu verarbeiten.
 – Verhalten und Entscheidungen erscheinen daher häufig irrational und von Tag zu Tag, von Person zu Person unterschiedlich und unvorhersehbar.

Näheres unter: https://www.youtube.com/watch?v=GC8V3-pvLZ4

Text und Foto: Annette Wörmann

Wer war der Täter? – Exkursion ins DNA-Besucherlabor im Deutschen Museum

Am 6.11.18 machte sich der LEAP-Kreis nach München auf. Es ging in ein „kapselartiges Konstrukt“, wie es eine Schülerin nannte, bei dem es sich um das DNA-Besucherlabor im Deutschen Museum handelte.
Bekleidet mit weißen Kitteln, nahmen die SGP-Schüler an den Versuchstischen Platz. Nach kurzer Einweisung begann das Experimentieren in Kleingruppen. Die Aufgabe bestand in der Aufklärung eines Mordfalls: Ein Lord war getötet worden. Tatverdächtige waren das Hausmädchen, der Neffe, der Butler und der Gärtner.
Mit der auch in der modernen Forensik verwendeten PCR-Methode wurden sogleich DNA-Proben sowohl von den vier Verdächtigen als auch vom Tatort untersucht. Der Täter konnte schließlich anhand seines mit der Tatort-Probe übereinstimmenden genetischen Fingerabdrucks identifiziert werden.
Eine aufgrund der Fülle an biologischen Details bereichernde Exkursion!

Text und Fotos: Annette Wörmann

LEAP und die THI

Das Schyren-Gymnasium ist seit Juli 2018 Partnerschule der Technischen Hochschule Ingolstadt. Ziel der Partnerschaft ist zum einen, allgemein die Entscheidungskompetenz von Schülern und insbesondere Schülerinnen zur Studien- und Berufswahl im naturwissenschaftlich-technischen Bereich zu verbessern, zum anderen, das Angebot im Bereich der (Hoch-)Begabtenförderung zu erweitern.
Die LEAP-Gruppe durfte am ersten Schultag nach den Herbstferien Hochschulluft schnuppern. Die Schüler lernten die Fakultäten der Technischen Hochschule Ingolstadt kennen. Sie erfuhren von der Struktur der Hochschulbildung, insbesondere von der Möglichkeit des Schülerstudiums. Schließlich wurde ihnen das Forschungs- und Testzentrum CARISSMA als wissenschaftliches Leitzentrum für Fahrzeugsicherheit vorgestellt.
Großer Dank gilt Sabine Dörr und Prof. Dr. Thomas Brandmeier für die anschauliche Vermittlung der Inhalte.

Text und Fotos: Annette Wörmann

YASKAWA – Robotor für „Terminator“ oder zum Eier-Sortieren

Im Jahr 1915 entwickelte das japanische Unternehmen YASKAWA auf der Südinsel Kyushu in der Provinz Fukuoka Elektromotoren für Kohleminen. Ab 1977 wurden daraus Roboter, von denen es heute über 100 unterschiedliche Typen für alle nur erdenklichen Anwendungen gibt. Man versah die ersten eigenen Roboter mit der Bezeichnung „Motoman“ (dt. „motorisierter Mensch“). Im Jahr 1968 erfand das Unternehmen für seine Servomotoren den Begriff „Mechatronic“, der inzwischen in allen technischen Branchen als Symbiose von Mechanik und Elektronik verwendet wird.
Seit 1984 sitzt YASKAWA mit seiner europäischen Roboter-Zentrale in Bayern, zunächst in Dachau, später in Allershausen. „Strategisch super gelegen an der Autobahn und nah zu unseren großen Automobilkunden“, kommentierte  Josef Niedermeier den Umzug nach Allershausen. Übrigens: 1984 war im ersten „Terminator“-Film ein Motoman-Roboter zu sehen und ein weiteres Mal  in „Terminator Genisys“, dem fünften Teil. Noch werden alle Roboter in Japan gebaut und dann für die europäischen Kunden nach Allershausen gebracht, wo sie programmiert und mit den notwendigen Werkzeugen – etwa mit Schweißtechnik oder Saugern für die Eiersortierung – ausgestattet werden. „Wenn der Roboter aus Japan hier bei uns ankommt, kann der gar nichts. Hier bei uns in Allershausen erhält er sein Gehirn und seine Hände und Finger  – all das, was er im Industrieeinsatz benötigt“, so Niedermeier. Die Roboter wiegen von 35 Kilo bis zu vier Tonnen und sind alle im sog. YASKAWA-Blau lackiert.
„Unsere Roboter arbeiten rund um die Uhr, egal, wie eng, dreckig oder heiß es ist. Und sie arbeiten immer auf absolut höchstem Niveau; da gibt es keine schlechten Schweißnähte, weil der Arbeiter einen schlechten Tag hatte“, erklärte der Fachmann.
Von Schülern gefragt, ob bzw. inwiefern Roboter zur Vernichtung von Arbeitsplätzen beitrügen, führte Herr Niedermeier aus: „Wir schaffen neue, andere Tätigkeiten, denn da, wo unsere Roboter im Einsatz sind, will doch gar kein Mensch mehr arbeiten. Roboter sind verantwortlich für die präzise Handhabung von schweren Lasten, arbeiten in gefährlichen Umgebungen und erhöhen die Produktivität und vor allem die Qualität.“
YASKAWA ist stets auf der Suche nach Praktikanten, Bachelor- und Master-Studenten oder Doktoranden –  vielleicht wurde durch die Exkursion das Interesse eines SGP-Schülers an der Roboterindustrie geweckt und er wird einmal in diesem Bereich tätig sein.
Die Exkursion des LEAP-Kreises fand am 8. Oktober 2018 statt.

Text und Fotos: Annette Wörmann

Das Spiel als Treiber der gesellschaftlichen Entwicklung – Entstehen derzeit neue Machtstrukturen?

Am Montag, 18. Juni 2018, besuchte Tom Werneck LEAP, den Begabtenkreis des Schyren-Gymnasiums.
„Wir leben gut. Unabhängig davon, was der Einzelne von uns besitzen mag oder auf seinem Konto hat, gehören wir alle, die wir hier sitzen, zu den zehn Prozent reichsten Menschen der Erde. Doch unser Wohlstand verstellt den Blick auf viele Entwicklungen und stellt sicher, dass uns unerwünschte Folgen erst viel später erreichen als andere Menschen. Das gehört zu den Privilegien der industrialisierten westlichen Welt. Nur ein kleines bisschen von der Not anderer Menschen bekommen wir mit, wenn wir Bilder von Flüchtlingen sehen, die zu uns wollen. Unser Leben geht seinen Gang und in unserer Wahrnehmung sind die Veränderungen gering. Doch die Wahrheit ist, dass sich unsere Welt und unser Leben rapide und einschneidend verändert“, so begann Werneck.

Besprochen wurden dann unter anderem folgende Themen: Bevölkerungswachstum, Klimaveränderungen, Wertschöpfung durch immer leistungsfähigere Maschinen sowie die Existenz virtueller Welten als Folge der begrenzten Möglichkeiten in der realen Welt.

Zum zuletzt genannten Punkt führte der Referent aus: „Menschen haben ein Bedürfnis nach Differenzierung. Staat, Kirchen, Unternehmen, Organisationen und Institutionen aller Art sind hierarchisch strukturiert. Anerkennung für Leistung und Verhalten drückt sich in unseren Gesellschaftsentwürfen so aus, dass ein Aufstieg im sozialen Rang möglich ist. Virtuelle Welten, die jedermann uneingeschränkt zur Verfügung stehen, durchbrechen dieses Verlangen der Menschen nach Differenzierung. Die naheliegende Folge könnte sein, dass ein freier, selbstbestimmter Zugriff durch eine Zuteilung ersetzt wird, die eine Differenzierung schafft. Das wiederum könnte einschneidende Machtverschiebungen mit neuen Machtstrukturen zur Folge haben. Denn dann stellt sich die Frage, wer darüber entscheidet, wer sich in welchen Erlebniswelten bewegen darf  und unter welchen Bedingungen der Zugang zu einer höherwertigen virtuellen Welt gestattet wird. In solch einem Szenario wird die klassische, tradierte gesellschaftliche Trennung zwischen Arm und Reich ersetzt durch die Trennung zwischen Informationsempfänger, also dem Erlebnisempfänger in einer virtuellen Welt einerseits, und dem Informationszuteiler, also dem Entscheider über den Zugang zu bestimmten virtuellen Welten andererseits.“
Und weiter: „Es ist allgemein bekannt, dass das Spiel immer schon ein Treiber von Kultur und Technik war. Generäle haben in den vergangenen zwei Jahrhunderten die Möglichkeiten von Truppenverschiebungen und Nachschubwegen in Sandkasten-Spielen ausprobiert, und das machen sie auch heute noch, auch wenn der Sandkasten längst durch leistungsfähige Computer ersetzt wurde. Schon sehr bald geht es darum, ungeheure und in dieser Größe in der bisherigen Geschichte noch nie dagewesene Menschenmassen zu lenken und zu steuern. Der Gedanke drängt sich auf, dass der gesteuerte Zugang zu virtuellen Welten dazu beitragen wird, die Probleme in den Griff zu bekommen. Wenn es leicht wäre, die Zukunft verbindlich vorherzusagen, könnte es jeder. Ich kann es auch nicht. Das Spiel als Treiber einer Entwicklung in Form von flächendeckend verbreiteten virtuellen Welten zu sehen, ist lediglich ein Szenario.“
Von den Schülern nach dem Wert von Szenarien gefragt, erklärte der Gast: „Szenarien ermöglichen es, sich darauf einzustellen und vorzubereiten. Bisweilen treffen Szenarien aber gerade deshalb nicht ein, weil sie aufgezeigt wurden. Ein Beispiel dafür ist die Studie des Club of Rome 1972. Weil vorhergesagt wurde, dass Ressourcen schon bald zu Ende gehen würden, wurde deren Verbrauch eingeschränkt, Recycling eingeführt und es wurden brauchbare Ersatzlösungen entwickelt.“
Eindringlich betonte Werneck abschließend: „Ob sich ein großer Teil der Menschheit künftig vorwiegend in virtuellen Welten bewegen und deshalb am realen Leben vorbeileben wird, wissen wir nicht. Wir können uns aber schon heute darüber Gedanken machen, ob das Leben in virtuellen Ersatzwelten wünschenswert ist und ob man diese Entwicklung fördern oder sich eher dagegen stemmen sollte. Ihr alle könnt, sollt und müsst daher mit eurer Kompetenz und euer Stimme darauf Einfluss nehmen!“
Tom Werneck arbeitet als Journalist, Managementtrainer und Kommunikationsberater. Er schrieb zahlreiche Beiträge für Zeitungen und Rundfunksendungen und ist Mitbegründer des „Spiel des Jahres“.

Text und Foto: Annette Wörmann

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