Latein

Liebe geht bekanntlich durch den Magen – Leidenschaft für die alten Römer auch 🙂
Koch- und Backrezepte versetzen uns in die Lage, einen wichtigen Bestandteil des römischen Alltagslebens zu rekonstruieren und uns der damaligen Realität in erstaunlichem Ausmaß zu nähern. So wird die Antike in Bereichen sinnvoll erfahrbar, die jenseits der Grenzen des üblichen Rekonstruierens liegen, nämlich im Bereich des Geschmacks und Geruchs.
Die weitaus größte Fülle an römischen Rezepten finden wir in dem berühmten unter dem Namen Apicius überlieferten Kochbuch De re coquinaria.
Das Nachkochen antiker – übrigens auch mittelalterlicher – Rezepte wird in erster Linie dadurch erschwert, dass meist die Mengenangaben fehlen.  Auch zur Zubereitungsweise erhalten wir oft nur summarische Angaben wie „Kräutersoße für gekochten Fisch“.
Siebtklässler versuchten sich in der letzten Lateinstunde vor den Herbstferien an gefüllten Datteln nach folgendem Rezept – und konnten gar nicht genug davon bekommen:
„Fülle Datteln, nachdem der Kern entfernt ist, mit Nüssen, Pinienkernen oder gemahlenem Pfeffer. Bestreue sie außen mit Salz, brate sie in gekochtem Honig und serviere sie.“

Text und Fotos: Annette Wörmann
 

 
Vom Altphilologenverband ausgezeichnet

Julia Schneider wurde als beste Absolventin des Schyren-Gymnasiums im Fach Latein im Abiturjahrgang 2016/2018 mit der Ehrennadel des Deutschen Altphilologenverbands ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch!

Text: Annette Wörmann

Foto: privat

Salbe nach Römerart hergestellt

Die Nase eines antiken Römers war im Lauf eines Tages einer Fülle an Gerüchen ausgesetzt: Düften aus Garküchen, Gerüchen aus der meist offenen Kanalisation, Gestank aus Werkstätten, Gerbereien und Wäschereien, harzigen oder blumigen Düften von unzähligen Opferaltären und vielem mehr.

Geduftet haben auch die Salben, die die Römer alltäglich verwendeten. Sie salbten sich mehrmals am Tag, damit die Duftwirkung erhalten blieb. Insbesondere nach einem Thermenbesuch verwöhnte man damit seine Haut. Gesalbt wurden ebenso Götterstatuen und Feldzeichen. Auch Salbungen für Tote sind vielfach bezeugt.

Als Salbengrundlage wurden zunächst tierische Fette in Wasser und dann mehrmals in Wein aufgekocht. Später kreierte man sehr raffinierte Kosmetika auf der Basis von Olivenöl. Häufig wurden Bienenwachs, Harze, Heilkräuter, ätherische Öle – gewonnen aus Rose, Salbei, Myrte, Rosmarin, Lavendel oder Zitronenmelisse – und vielerlei Samen, Flachs oder Hanf beigemischt. Die Zugabe von Salz sollte die Haltbarkeit der Salbe erhöhen. Heute nicht mehr nachvollziehbar ist der Gebrauch von Salben in Speisen oder Getränken – man wollte schließlich auch von innen heraus duften.
Sichtlich Spaß hatten die Siebtklässler bei der Herstellung ihrer eigenen Salben. Dazu verrührten sie frisch gepresstes Olivenöl und Bienenwachs. Das Olivenöl wurde zuvor mit Wildpflanzen, die im Alltag der Römer präsent waren, angereichert. Schließlich aromatisierte jeder Schüler seine Salbe mit einem ätherischen Öl seiner Wahl. Die Freude war groß, denn jeder durfte sein selbst komponiertes Produkt mit nach Hause nehmen.
Eingeführt in die Kunst der Salbenherstellung wurden die Gymnasiasten von Andrea Deschle, Kräuterpädagogin aus Reichertshausen.

Fotos und Text: Annette Wörmann

Lyriker und Übersetzer Tobias Roth zu Gast

»Sollte die Kunst zu lieben jemandem fremd sein, dies Gedicht les er und liebe gekonnt.«
Skandalumwittert, als Kamasutra der Antike verschrien, als große Dichtung verehrt: Ovids Ars amatoria (dt. Liebeskunst).
Schon dass er ein Buch über die Kunst der Verführung in der hehren Form eines Lehrgedichts schrieb, mag manchen Zeitgenossen empört haben. Ovid selbst gab an, die Liebeskunst habe zu seiner Verbannung aus Rom beigetragen – der sich bis zu seinem Tod nach der Pracht Roms zurücksehnende Dichter starb im Exil am Schwarzen Meer.
Spätere Jahrhunderte zeigten sich bisweilen verstört vom offenen Ton und dem durchaus pragmatischen Umgang mit Sex und Erotik, den das Buch pflegt: Ovid rät z. B. dazu, der Angebeteten in Liebesbriefen das Blaue vom Himmel zu versprechen – zum lustvollen Vorteil beider. Als Anbandel-Orte empfiehlt er Theater und Arena; hier kochen die Emotionen hoch und man sitzt eng nebeneinander. Ovid feiert die Liebe und gibt Ratschläge aus der Perspektive beider Geschlechter.
Wie kaum ein anderes Werk der Antike ist die Liebeskunst gesättigt mit Details der römischen Alltags- und Vorstellungswelt.
Zum 2000. Todesjahr Ovids erschien Ende 2017 eine kommentierte Ausgabe von Ovids Liebeskunst, die ein plastisches Bild des antiken Rom entstehen lässt und Leben, Dichten und Denken im sog. Goldenen Zeitalter unter Augustus darstellt. Der besondere Clou dieser Ausgabe: Ähnlich den kunstvoll gestalteten Büchern der Renaissance, in der Ovid wiederentdeckt wurde, sind die Kommentare von Tobias Roth, Asmus Trautsch und Melanie Möller um die deutsche Übersetzung herum gesetzt. So kann man Ovids Gedicht und den Kommentar mit einem Blick erfassen.
Am Dienstag, 20. März 2018, kam einer der Kommentatoren, Tobias Roth, ans Schyren-Gymnasium und stellte den Lateinschülerinnen und –schülern der 9. Jahrgangsstufe die neue Ovid-Ausgabe vor.
Tobias Roth ist Lyriker und Übersetzer. Für seine Lyrik erhielt er den Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis. Er übersetzt aus dem Italienischen, Französischen und Lateinischen. Der promovierte Romanist ist Gründungsgesellschafter des Verlags Das Kulturelle Gedächtnis.

Annette Wörmann

Mit dem Handy in die Römerzeit

Die Lateinklasse 7AC machte sich am Donnerstag, 25. Januar 2018, zusammen mit Frau Wörmann und Herrn Wurm nach Manching auf und besuchte im kelten römer museum die Sonderausstellung „Schnappschuss – Zoom dich in die Römerzeit“. Zu sehen waren großformatige 3-D-Bilder, die den spannenden Alltag der Römer darstellten. Spaß war garantiert, denn in jedem Bild war Platz für einen
Museumsbesucher, der sich in der eingenommenen Pose fotografieren lassen
konnte.

Das Benutzen von Smartphones ist in dieser Ausstellung, die noch bis 8. April 2018 zu besichtigen ist, ausdrücklich erwünscht.

Annette Wörmann

Fotos: M. Wurm

Latein

Latein wird am Schyren-Gymnasium als 2. Fremdsprache unterrichtet. Im Zentrum dieses gymnasialen Basisfaches steht der Umgang mit Texten. In besonderer Weise vermittelt Latein die Kompetenzen, Texte genau zu lesen, sprachliche Merkmale differenziert wahrzunehmen und den Inhalt treffend zu übersetzen. Durch den sprachsensiblen Unterricht schafft das Fach nicht nur für mehrsprachige Schülerinnen und Schüler mit Deutsch als Zweitsprache die grundlegenden Voraussetzungen, dem Unterricht angemessen folgen und fachliche Fertigkeiten erwerben zu können. Die Beschäftigung mit der lateinischen Sprache verlangt Konzentration, schult Genauigkeit und erzielt somit Synergieeffekte für alle sprachlichen und naturwissenschaftlichen Fächer.

Im Fach Latein werden die jungen Menschen auf eine Zeitreise mitgenommen und zu den Wurzeln der europäischen Kultur in der Antike geführt. Das reich bebilderte Lehrwerk der Grammatikphase (6. bis 8. Jahrgangsstufe) lässt sie in den Alltag der Römer eintauchen, berichtet von bedeutungsvollen historischen Ereignissen und macht sie mit deren Weltbild – geprägt von Mythologie und Religion – bekannt. Die Lektürephase (ab der 9. Jahrgangsstufe) gewährt den Schülerinnen und Schülern Einblick in das Wesen der Rhetorik und in die Welt der römischen Politik, zeigt ihnen aber auch auf, wie sich der Mensch durch Beschäftigung mit Dichtkunst und Philosophie Hilfe zur Lebensbewältigung verschaffte. Die kritische Reflexion darüber fördert die Persönlichkeitsentwicklung der Heranwachsenden.

Ausstellungs- und Museumsbesuche sowie Exkursionen zu Stätten aus der Römerzeit bereichern den Unterricht und zeigen die bleibende Präsenz römischen Lebens in Bayern.

Die Schüler erwerben am Ende der 9. Jahrgangsstufe das Kleine Latinum, am Ende der 10. Jahrgangsstufe das Große Latinum (jeweils bei Note 4). Damit besitzen sie für zahlreiche universitäre Studienfächer eine notwendige Zulassungsvoraussetzung.

Sieglinde Heinzlmeier
Fachbetreuerin Latein

Fotos: A. Wörmann