Ein besonderes Projekt am Schyren-Gymnasium zeigt, dass Rezepte weit mehr sind als bloße Kochanleitungen. Die Schülerinnen und Schüler der schulartübergreifenden Deutschklasse haben unter Anleitung des Klassenleiters Richard Fischer in mehrwöchiger Arbeit ein internationales Kochbuch erstellt, das kulinarische Brücken zwischen den Kulturen schlägt.
„Liebe geht durch den Magen“ – dieses bekannte Sprichwort erhielt in den vergangenen Wochen am Schyren-Gymnasium eine ganz neue, tiefgreifende Bedeutung. In der Deutschklasse wurde deutlich: Nicht nur Liebe, sondern auch das Verständnis für andere Kulturen und der Respekt vor der eigenen Herkunft finden ihren Weg über den gemeinsamen Esstisch.
Von der Familienküche ins Klassenzimmer
Das Projekt startete mit einer Hausaufgabe der besonderen Art: Die Kinder wurden zu Reportern in den eigenen vier Wänden. Sie befragten ihre Eltern nach traditionellen Familienrezepten – nach jenen Gerichten, die nach „Zuhause“ schmecken, egal ob dieses in der Ukraine, in Moldawien oder Serbien, in Afghanistan oder einem anderen Teil der Welt liegt.
In einer intensiven, mehrwöchigen Arbeitsphase wurden diese Schätze im Unterricht gehoben. Die Herausforderung dabei war nicht nur die Übersetzung, sondern auch die Form: Die Schülerinnen und Schüler lernten, wie man Rezepte in eine einheitliche, verständliche Struktur bringt. Vom korrekten Gebrauch der Maßeinheiten bis hin zur präzisen Formulierung von Handlungsanweisungen – das Kochbuch wurde so zu einem praktischen Lehrwerk für die deutsche Sprache.
Ein Wörterbuch der Düfte und Geschmäcker
Ein besonderes Highlight des Kochbuchs ist die integrierte Übersetzungstabelle. Hier wurden die häufigsten Zutaten – von „Mehl“ und „Salz“ bis hin zu speziellen Gewürzen – in alle Sprachen der beteiligten Schülerinnen und Schüler übersetzt. Diese Tabelle dient nicht nur als praktische Einkaufshilfe, sondern ist auch ein Symbol für die Vielfalt in der Klasse. Sie zeigt schwarz auf weiß: Auch wenn wir unterschiedliche Worte benutzen, so teilen wir doch die gleichen Grundlagen.
Hintergrund: Was ist eine „schulartübergreifende Deutschklasse“?
Dieses Projekt fand im Rahmen der schulartübergreifenden Deutschklasse statt. Doch was verbirgt sich hinter diesem Begriff? Deutschklassen (früher oft als Übergangsklassen bekannt) sind ein spezielles Angebot für Kinder und Jugendliche, die neu nach Bayern kommen und über keine oder nur sehr geringe Deutschkenntnisse verfügen. Der Fokus liegt auf dem intensiven Erwerb der deutschen Sprache sowie der Orientierung im bayerischen Schulsystem.
Das Prädikat „schulartübergreifend“ am Gymnasium bedeutet hierbei, dass Schülerinnen und Schüler gemeinsam unterrichtet werden, die potenziell für verschiedene weiterführende Schularten (Mittelschule, Realschule oder Gymnasium) geeignet sind. Ziel ist es, die Jugendlichen so schnell und individuell wie möglich fit für den Wechsel in eine Regelklasse zu machen. Projekte wie das Kochbuch fördern dabei nicht nur die Sprachkompetenz, sondern auch die soziale Integration und das Selbstbewusstsein, indem die kulturelle Identität der Kinder als Bereicherung erfahren wird.
Ein Ergebnis zum Nachkochen
Das fertige Kochbuch ist mehr als nur eine Sammlung von Papierseiten; es ist ein Zeugnis gelungener Integration und des gegenseitigen Interesses. Es lädt dazu ein, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Diese Einladung soll der gesamten Schulgemeinschaft gelten, weshalb das Kochbuch geteilt werden soll. Eine erste Nachbesprechung nach den Ferien zeigte ferner, dass die Eltern der Schüler das Kochbuch schon ausprobiert haben und man die Rezepte der Schulkameraden kulturübergreifend versucht hat.

Text und Foto: Richard Fischer