Am 27. Januar 2026, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, erlebten die neunten Klassen und der Kurs Geschichte im erhöhten Anforderungsniveau unter der Leitung von Frau Haupt eine bewegende Geschichtsstunde mit der Autorin Lilly Maier. Im Mittelpunkt stand ihr Buch „Das Mädchen und der Holocaust-Überlebende“, welches die Lebensgeschichte des Juden Arthur Kern schildert, der als Oswald Kernberg 1928 in Wien geboren wurde.
Die Veranstaltung wurde durch eine historisch einordnende Eröffnungsrede von Magdalena Brendel (Q12) sowie eine Klaviereinlage von Oliver Cervino (10c) eingeleitet, bevor Maier ihre „Geschichte von 1001 Zufällen“ erzählte. Die Verbindung zwischen der Autorin und dem Zeitzeugen ist einzigartig: Jahrzehnte nach seiner Familie lebte Lilly Maier in derselben Wiener Wohnung wie Oswald Kernberg, bevor dieser 1939 nach dem „Anschluss Österreichs“ und der Reichspogromnacht mit einem Kindertransport als einziges Kind seiner Familie fliehen musste.
Sein Weg führte über Paris und Südfrankreich schließlich 1941 nach Amerika. In der Bronx begann er unter dem Namen Arthur Kern ein neues Leben und schaffte trotz der einschneidenden Trennung von seiner Familie eine beeindruckende akademische Karriere, die ihn bis zur Mitarbeit an der Mondlandung und zu seiner späteren Ehefrau Trudy führte.
Erst 2003 fanden Lilly Maier und Arthur Kern durch einen Zeitungsbeitrag über ein Schulprojekt Maiers und einige glückliche Bekanntschaften zusammen. Die Lesung zeigte eindrücklich, wie aus historischer Recherche und besonderen Zufällen eine tiefe Freundschaft entstehen konnte, die bis zu Arthurs Tod bestand. Zum Abschluss hatten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, Fragen zu stellen – ein lebendiges Beispiel moderner Erinnerungskultur.
Foto: Sabrina Haupt
Text: Lucian Pittrich Q12