Im strahlenden Sonnenschein stieg ich in München aus dem Bus: Das Siegestor erhob sich vor mir, ich lief zur Ludwig-Maximilian-Universität. Auch an diesem Tag raubte mir der monumentale Lichthof, die lateinischen Inschriften, diese Hallen, in denen das Denken fliegen kann, den Atem.
Ich setzte mich in das Auditorium Maximum, das sich nach und nach mit Hunderten von Schülerinnen und Schülern füllte – und dennoch kaum halb besetzt war. Nach einigem Warten und den unvermeidlichen, aber diesmal besonders ermüdenden Begrüßungs- und Dankesworten begannen die Vorträge: zunächst eine kurze Hinführung zum Thema des Studientages „Zukunftsangst – Zukunftshoffnung“. Die Referentin wies darauf hin, dass Theologie auch soziologische Perspektiven einbeziehe und zitierte aus der „Shell-Jugendstudie“, laut der Jugendliche aktuell zwar besorgt, aber dennoch hoffnungsvoll und optimistisch in die Zukunft blickten.
Darauf folgte der Vortrag von Prof. Dr. Gerd Häfner über die Intention der Johannes-Apokalypse: Die Apokalypse sei nicht als konkrete Vorhersage der Zukunft gedacht gewesen, schließlich übernähme sie zu großen Teilen einfach die Motive älterer apokalyptischer Texte, vielmehr sei sie ein Versprechen an die damals Verfolgten und vom Kaiserkult unter Druck gesetzten Christen gewesen: Irgendwann werde diese schreckliche Welt enden und es fände eine völlige Umkehrung der Herrschaftsverhältnisse statt. Die Offenbarung des Johannes sei der Lichtblick auf eine ersehnte Gegenwelt zum Imperium Romanum. Diese neue Welt könne sich jedoch laut Johannesoffenbarung nicht langsam entwickeln, sondern es gäbe eine Reihe von Katastrophen und Krisen, die schließlich zu einem kosmischen Krieg führten, an dessen Ende der Sieg des Guten stünde. Diese Schilderung habe in der Rezeptionsgeschichte immer wieder dazu geführt, dass man entweder versuchte zu bestimmen, in welchem Stadium der Apokalypse man gegenwärtig angelangt sei, oder es für sinnlos hielt, sich um die bestehende Welt zu bemühen, denn die sei ja ohnehin inhärent böse und werde untergehen. Beides sei, so der Referent, nie Intention der Johannesapokalypse gewesen. Man werde dem Text nicht gerecht, wenn man stur versuche, gegenwärtige Entwicklungen auf ihn zu projizieren. Dieser Vortrag war für mich ebenso informativ wie interessant, schon alleine deswegen, weil es um antike Gedankenwelten ging. Ich fand diesen Blick auf die Johannesapokalypse überraschend. Auch mich beschäftigt die Fragestellung, inwiefern es im Umgang mit Zukunftsängsten hilft, auf den großen, alles vernichtenden und bereinigenden Knall zu hoffen.
Was dann folgte, war das Highlight des Tages: ein Vortrag von Prof. Dr. Markus Vogt über den Klimawandel als Öko-Apokalypse und die Notwendigkeit glaubwürdiger Hoffnung. Er sprach mit einem unglaublichen Charisma und einer fesselnden Begeisterung darüber, dass wir theoretisch die Mittel hätten, eine positive Zukunft zu gestalten, aber unser Wille dazu erlahmt, da wir uns keine andere Welt vorstellen können. Hoffnung dürfe nicht als Wegschauen und Verharmlosen von Problemen gesehen werden. „So schlimm ist es schon nicht und Gott und/oder die Technik werden es schon richten“ – So an die Sache heranzugehen, sei nämlich nicht verantwortungsvoll. Hoffnung sei vielmehr eine fragile Balance zwischen Furcht und Leichtsinn. Auch sei Hoffnung nicht zu verwechseln mit Optimismus: Hoffnung bestünde oft genau dort, wo es wenig Grund zu Optimismus gebe, sie sei der Glaube, dass das eigene Handeln sinnvoll ist. Eine aktive, aufgeklärte Hoffnung sehe die Probleme, aber auch die eigenen Handlungsspielräume. Dies geschehe in einem Zusammenwirken von Glauben und Nächstenliebe und schließe auch den Mut zu Widerstand ein. Eine solche konstruktive Hoffnung sei eng verwandt mit der Resilienz. Resilienz könne man daher als postutopische Hoffnung betrachten. Während des gesamten Vortrages ging Prof. Vogt auf philosophische und ethische Werke zu diesem Thema ein, auf literaturwissenschaftliche Perspektiven und geschichtsphilosophische Ideen. Ich denke, dass dies ein guter Einblick in die Wissensvermittlung an einer Universität war, eine Wissensvermittlung, die mir durchaus zusagt. Aus diesem Vortrag nehme ich ganz persönlich neue Impulse und Perspektiven dazu mit, wie wichtig es ist, die Hoffnung nicht zu verlieren.
Nach einer Mittagspause ging es weiter mit Workshops in Kleingruppen. In dem von mir gewählten Workshop „Fürchte Dich nicht! Vom heilsamen Umgang mit (Zukunfts-) Angst und Hoffnung“ befassten uns mit einer psychologischen Perspektive auf Zukunftsängste. Besonders schön war dabei das Gesprächsklima und die interessanten Diskussionen, die wir auch nach dem Workshop noch fortsetzten. Inhaltlich nahm ich aber ehrlicherweise nicht so viel mit.
Nach diesem Studientag hat mich zwar nicht der Wunsch ergriffen, Theologie zu studieren, aber ich bin noch entschlossener als bisher, die LMU für mein Studium zu wählen. Allmählich wird sie mir ein wenig vertraut. Abgesehen von der Studienorientierung – ich erfuhr von der Veranstaltung über den schulinternen Infokanal zur Berufsorientierung – nehme ich einen großen Respekt vor Prof. Vogt mit – ebenso wie neue Perspektiven hinsichtlich der Bedeutung von Apokalyptik und Hoffnung.
Text und Bild: Veronika Gmelch, Q12